Es ist okay, nicht auf dem neuesten Stand zu sein

Ein Geständnis: Ich bin über das aktuelle Tagesgeschehen weniger informiert als viele andere Menschen. Noch ein Geständnis: Als Stephen Hawking gestorben ist, hat es zwei Tage gedauert, bis die Nachricht bei mir angekommen ist. Ein letztes Geständnis: Ich will es gar nicht mehr anders haben.

Eins weiß ich ganz genau. Ich bin nicht die scheiß Feuerwehr, nicht die scheiß Polizei und nicht der scheiß Notdienst. Zu jeder Zeit verfügbar und auf dem neusten Stand aller Dinge zu sein steht nicht in der Jobbeschreibung zum Menschsein. Deswegen nehme ich mir auch bewusst die Frechheit heraus, einfach nicht auf dem neuesten Stand zu sein, wenn es mein Leben nicht unmittelbar betrifft.

 Durch ein sauberes Glas lässt sich gut blicken

Schlage ich heute die Zeitung auf, dann springen mir in riesigen Lettern aufmerksamkeitsheischende Überschriften entgegen. Tode, Explosionen, Heirat, Gefahr, bliblablup. Lese ich mich auch nur zehn Minuten durch die Zeitung, dann habe ich das Gefühl, zusammen mit einem Haufen Irren auf diesem Planeten zu wandeln. Ja, genau das gleiche Gefühl habe ich auch bei Online-Nachrichtenseiten.

Die öffentliche Meinung ist eine Mischung aus Torheit, Schwäche, falschen und richtigen Meinungen, Eigensinn und Zeitungsartikeln. – Sir Robert Peel

Zeitungen haben die Tendenz, uns total verzerrte Sichtweisen aufzuzeigen. Sie sind ein denkbar schlecht geeignetes Mittel, um uns ein objektives Bild der Welt zu zeichnen. Wenn mich etwas brennend interessiert, dann kann ich mich jederzeit damit beschäftigen und intensiv dazu recherchieren. Sicherlich täte ich das aber nicht auf News-Seiten.

Mir gefällt das Bild unseres Geistes als eine Art Glas, durch das wir blicken. Füllen wir es mit Wasser – also unter Anderem sauberen Informationen und positiven Denkweisen – dann können wir die Welt durch ein sauberes Glas sehen und auch realitätsnah erfassen. Füllen wir das Glas hingegen mit Schmutz – total verzerrten Meinungen und negativen Denkweisen – dann nehmen wir die Welt auch durch dieses schmutzige Glas wahr. Alles, was wir dann sehen, wird durch unsere verzerrte und negative Grundhaltung direkt schlechter dargestellt.

Aber dann weißt du doch gar nicht mehr, was abgeht?

Jup. Ich tausche aber gerne einen gelassenen, zufriedenen Geist gegen einen informierten Geist. Mich interessiert nicht der letzte Ausrutscher eines Popstars, mich interessiert nicht der letzte Schwachsinnskommentar eines Fußballers und mich interessiert auch nicht der Verbalfurz, den irgendein Politiker in einem Moment geistiger Umnachtung losgelassen hat.

Die wirklich relevanten Informationen des Lebens dringen früher oder später auch so zu mir durch – die Informationen, die mein Leben berühren. Dafür brauche ich mir nicht im Stundentakt den Newsticker auf GMX ins Gehirn drücken.

Fernsehen ist fabelhaft. Man bekommt nicht nur Kopfschmerzen davon, sondern erfährt auch gleich in der Werbung, welche Tabletten dagegen helfen. – Bette Davis

Diese Angst, nicht auf dem neuesten Stand zu sein, klingt im ersten Moment logisch. Wenn du dann aber mal eine Zeit lang ohne News, Fernsehen o.Ä. lebst, fällt dir auf, dass du niemals eine Information verpasst, die wichtig für dich ist. Es passiert nichts Schlimmes, wenn du dich vom Schwachsinn der Welt abkapselst.

Am Ende sollte es jeder für sich selbst entscheiden. Ein Selbstversuch schadet nie und hat das Potenzial, dich ein großes Stück weit gelassener zu machen.

Written by Waldemar