Wie wir uns mit falschen Annahmen selbst behindern

Dies ist so, jenes ist so, das da ist so. Wir haben eine Vorstellung davon, wie die Welt aussieht. Im Laufe unseres Lebens haben wir Erfahrungen gesammelt. Diese Erfahrungen haben uns zu Schlussfolgerungen über die Welt geführt. Jeder trägt seine ganz persönliche Weltbrille. Sie entscheidet, wie er die Welt wahrnimmt.

Jeder von uns läuft also mit bestimmten Annahmen durch die Welt. Sind wir in einem behüteten Elternhaus aufgewachsen, sind unsere Annahmen über die Welt eher positiv gestimmt. Dann gehen wir eher davon aus, dass wir mit unserem Handeln unser eigenes Leben positiv beeinflussen können. Unsere Annahmen sind positiv und deswegen führen wir durch das Prinzip der selbsterfüllenden Prophezeiung diese Annahmen vermehrt herbei. Je positiver und realitätsnäher unsere Annahmen über die Welt sind, desto leichter können wir uns in ihr bewegen und zu selbstwirksamen Menschen avancieren.

Eine unzutreffende Prämisse bringt entsprechende Ergebnisse

Unsere Annahmen entscheiden maßgeblich, wie wir uns verhalten. Mit einer negativen Grundhaltung sind wir eher geneigt, nur den negativen Kern zu erkennen. Wer davon ausgeht, dass alle Menschen Arschlöcher sind, wird sich ihnen gegenüber auch so verhalten, in Folge dessen sie sich ihm gegenüber tatsächlich wie Arschlöcher verhalten. Häufig sind unsere Annahmen so tief in uns verankert, dass wir das Ausmaß ihrer Einflussweite unterschätzen.

Wir leben alle unter dem gleichen Himmel, aber wir haben nicht alle den gleichen Horizont. – Konrad Adenauer

Ein Großteil unserer Handlungen wird von Annahmen gelenkt und gesteuert, die uns nicht bewusst sind, weil sie auf einer sehr tiefen Ebene stattfinden. Wir kommen zu Schlussfolgerungen, die für uns naheliegend und trivial sind – wir ziehen gar nicht in Betracht, dass jemand zu einer anderen Schlussfolgerung kommen könnte, weil uns unsere Schlussfolgerung dermaßen schlüssig erscheint. Dass wir mit einem anderen persönlichen Hintergrund, mit anderen Erfahrungen und Erlebnissen zu einer komplett anderen Schlussfolgerung kommen würden, ist uns gar nicht klar. Vielleicht ist uns das sogar rational klar, aber auf einer emotionalen tieferen Ebene ist es uns eben nicht klar, weil für uns viel zu oft nicht greifbar ist, was für Annahmen über die Welt in unserem Kopf überhaupt existieren.

Stimmen unsere Annahmen überhaupt?

Das kann ein Nährboden für viele Missverständnisse sein. Jemand verhält sich aus deiner Sicht beschissen und irrational. Immer wieder eckt er bei dir an. Du verstehst sein Verhalten nicht und interpretierst es so, dass er schlicht und ergreifend auf Konflikt aus ist. Aus deiner Sicht ergibt sein Verhalten keinen Sinn. Aus seiner Sicht kann es sehr wohl Sinn ergeben. Andere Menschen beurteilen wir gemeinhin anhand ihrer Taten, anhand des nach außen hin Sichtbaren, während wir unser eigenes Verhalten anhand unserer Absichten beurteilen. Tut wir etwas Dummes, obwohl wir dabei nur das Beste im Sinn hatten, dann beurteilen wir uns wahrscheinlich trotzdem gut, weil wir ja gute Absichten hatten. Verhält sich eine andere Person dumm, dann können wir nur dieses Verhalten beurteilen und entsprechend negativ fällt unser Urteil aus – unter der Prämisse, dass wir die Person nicht nach ihren Beweggründen fragen, was wir nun mal tatsächlich häufig nicht tun.

Damit das Mögliche entsteht, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden.– Hermann Hesse

Um eins klarzustellen: Wir kommen aufgrund unserer Annahmen besser in der Welt zurecht. Sie haben ihre Berechtigung. Es ist dennoch wichtig, sich selbst in diese Richtung hin und wieder zu hinterfragen, bevor man übereilt ein Urteil fällt. Häufig spiegeln unsere Annahmen die Welt nicht korrekt wider. Vielleicht tun sie das nicht, weil die Annahmen veraltet sind oder weil einige Erlebnisse diese Annahme geformt haben, diese Erlebnisse aber gar nicht repräsentativ für die Welt sind, sondern nur eine statistisch seltene Ausnahme waren. Mit einer unzutreffenden Annahme lassen sich nur sehr selten die richtigen Schlussfolgerungen ziehen.

Written by Waldemar