Das vegetarische Experiment – Wie ich zum Vegetarier wurde

Juli im Jahr 2017. Ich verbringe mit meinen Jungs sehr eskalative 14 Tage in Kroatien. Dabei schaffe ich es, an 12 Tagen davon zu trinken, ohne vorzeitig abzutreten. Klar, das ist eine Errungenschaft, von der ich definitiv noch meinen Enkeln erzählen werde, aber sie hat mich stark gezeichnet. Im Urlaub selbst haben wir uns dazu wie gewohnt unachtsam ernährt, wenig geschlafen und keinen Sport getrieben. In dieser teuflischen Kombination hatte der Urlaub fatale Folgen für mich. Nicht nur, dass ich nach der Heimkehr direkt krank geworden bin, nein…, ich habe mich zusätzlich auch noch furchtbar gefühlt. Es war, als hatte ich mich selbst aller kostbarer Nährstoffe in meinem Körper beraubt.

So arbeitete ich dann einige Tage direkt nach dem Urlaub in diesem menschenunwürdigen Körperzustand. Dann beschloss ich, mir einen Tag Pause zu gönnen und meldete mich krank. Tatsächlich krank war ich eigentlich nicht, aber ich fühlte mich hundeelend. Ich erkannte, dass ich meinen Körper und mich selbst lange genug gepeinigt hatte. Nach einigen Tagen allein beschloss ich dann, eine Kehrtwende zu vollziehen. Ich rauchte meine letzten Zigaretten und nahm mir vor, nie wieder eine anzuzünden (Joints waren davon ausgenommen – ein gewiefter Fuchs ich bin).

 Wenn schon, denn schon

Das war aber noch nicht alles. Ich hatte, weil es mir so schlecht ging, in den Tagen vor diesem Entschluss wenig Fleisch gegessen und hatte ohnehin schon mal darüber nachgedacht, mal eine vegetarische Ernährung auszuprobieren. Wenn sonst, wenn nicht jetzt? Sollte ich eh mit dem Rauchen aufhören, dann kann ich auch gleichzeitig mit dem Fleischessen aufhören und den doppelten Benefit darausziehen. Und so tat ich das dann auch.

Dadurch, dass ich ohnehin schon immer viel Sport getrieben habe, habe ich die ersten positiven Auswirkungen schnell bemerkt – sei es beim Laufen, beim Kraftsport oder beim Beachvolleyball. Plötzlich konnte ich alle Dinge mit einer entspannten Leichtigkeit vollziehen, die zuvor eher anstrengend für mich waren. Nach den ersten 3 Tagen ohne Zigaretten verflog die Lust, eine zu rauchen, auch größtenteils. Ich hatte alle mein Trigger bereits analysiert und mir entsprechende Ausweichgewohnheiten überlegt, die ich umsetzte, wenn ich sonst eine rauchen würde.

Die Vernunft beginnt bereits in der Küche. – Friedrich Nietzsche

In der Anfangszeit meines fleischlosen Daseins habe ich noch nicht wirklich darauf geachtet, mich gesund zu ernähren. Klar, ich ernährte mich zweifelsfrei gesünder als zuvor, aber als einigermaßen vorbildlich hätte ich die Ernährung dennoch nicht bezeichnet. Das war aber auch okay so. Mein primäres Augenmerk hatte ich ohnehin darauf gerichtet, den Zigarettenkonsum einzustellen. Wenn ich ehrlich bin, war ich auch gar nicht davon ausgegangen, dass ich diesen vegetarischen Lebensstil tatsächlich durchziehen könnte, weil ich in einem sehr fleischlastigen Haushalt großgeworden bin, in dem mindestens eine fleischhaltige Mahlzeit am Tag dazu gehörte.

Aber irgendwie schaffte ich es. Nach und nach entfernte ich dann das Fastfood aus der Ernährung. Anfangs hatte ich noch versucht, das Fastfood, was ich bisher immer in mich gedrückt hatte, durch fleischlose Fastfood-Varianten zu ersetzen. Aus der Salamipizza wurde dann eben eine Pizza Quattro Formaggio oder eine Margarita. Aus dem Döner wurde eine Falafel im Brot. Aus dem Bier wurde eine Cola und so weiter und so fort. Das war zwar schon besser als zuvor – keine Frage, aber ich wollte mehr. Und so ersetzte ich nach und nach das Fastfood durch gesündere Varianten, die nachhaltig und länger satt hielten und begann, in der Küche meine Kochkünste zu erweitern, die sich bis dato eher auf „ick mach mir maln Rührei, so ungefähr jeden scheiß Tach“ beschränkten. Okay, ich muss zugeben, dass die Kochkünste immer noch eher unterdurchschnittlich sind. Die Softdrinks ersetzte ich erst einmal durch Fruchtsäfte, nach ein paar Wochen der Gewöhnung dann durch Tee.

Unerwartete positive Auswirkungen

Als ich aufhörte Fleisch zu essen und zu rauchen, passierte gleichzeitig etwas Erstaunliches. Ich achtete mehr und mehr auf meine Ernährung im Allgemeinen. Wenn man raucht, neigt man zu dem Gedanken, dass es sich nicht lohne, sich gesund zu ernähren. Schließlich lebt man durch das Rauchen bedingt sowieso schon ungesund. Fallen die Zigaretten weg, öffnet man die Tür in eine gesündere Welt. Auf einmal hat man Interesse daran, auf seine Gesundheit zu achten. Durch die erhöhte Achtsamkeit beim Essen wegen des Verzichts auf Fleisch wird dieser Effekt dann noch zusätzlich verstärkt.

Die Ernährung ist nicht das Höchste, aber sie ist der Boden, auf dem das Höchste gedeihen oder verderben kann.– Maximilian Oskar Bircher-Benner

So folgte auf den ernährungstechnischen Tiefpunkt meines Lebens während meines Urlaubs der ernährungstechnische Höchstpunkt meines Lebens. Manchmal muss man eben erst ganz unten ankommen, um den Mut für eine Veränderung zu fassen und ein neues Lebenskapitel aufzuschlagen.

Written by Waldemar