Das Leben im Konjunktiv – Du würdest, hättest, könntest so gerne?

Die Angst, etwas zu verpassen. Wenn alle Türen sind, kann es schwierig sein, sich zu entscheiden. Schreitest du durch die eine hindurch, schließt sich an anderer Stelle womöglich eine Tür. So verbringen wir unser Leben in einer Wartehaltung – immer stets bedacht, dass möglichst keine Tür sich schließt. Wer aber immer nur darauf achtet, dass sich keine Tür verschließt, der wird sein Leben auf dem Flur verbringen.

Das Leben funktioniert so: Entweder du triffst selbst eine Entscheidung oder eine Entscheidung wird für dich getroffen. Entscheiden wir uns für eine Option, dann entfällt eine andere Option möglicherweise unwiederbringlich. Manchmal ist es für mich schwierig, einen klaren Kopf zu bewahren, wenn mein eigener Fokus gerade zum Beispiel auf dem Sport und der Arbeit liegt. Es gibt Zeiten, in denen ich mich bewusst dazu entscheide, mein soziales Leben ein bisschen schleifen zu lassen, um in anderen Bereichen einen entscheidenden Schritt vorwärts machen zu können.

Würde ich denn wirklich gerne mit ihnen tauschen?

Dann passiert es, dass ich tagelang fast ausschließlich diese Projekte auf meiner Prioritätenliste habe und effektiv daran arbeite. Und manchmal – ja, das muss ich zugeben – kann es vorkommen, dass ich nach einem produktiven Wochenende an einem Park, einem Club oder einfach nur an einem Café vorbeigehe, die Menschen sehe und mir denke: „Ich könnte jetzt auf der Stelle damit aufhören, an meinen Projekten, meinem persönlichen Wachstum zu arbeiten. Es würde so viel Zeit frei werden. Dann würde ich genau in diesem Park jetzt auch sitzen und einfach mit meinen Freunden abhängen.“

Diese Momente gibt es. In diesen Momenten kehre ich kurz in mich. Ich überlege mir dann, ob es gerade wirklich das ist, was ich möchte. Möchte ich wirklich mit dieser Person tauschen – nur weil ich jetzt gerade sehe, wie sie da vorne sitzt, ein Bier trinkt und dabei glücklich zu sein scheint? Die Antwort ist immer nein. Ein zielgerichtetes Leben zu leben – ein Leben, in dem ich auch mal 2-3 Tage auf eine Party verzichte, um ein Projekt voranzutreiben – bringt über einen längeren Zeitraum Spaß in mein Leben. Das ist eine Erkenntnis, die ich zum Glück schon für mich selbst hatte. Ich ziehe eine langfristige, innere Balance nach Möglichkeit immer dem kurzweiligen Spaß vor. Hier und da auch mal auf die Kacke zu hauen – fuck ja, das ist das Leben und macht es so lebenswert. Immer nur dem nächsten Vergnügen, dem nächsten Kick, der nächsten Zerstreuung nachzujagen – fuck nein, das ist für mich nicht erstrebenswert.

Arbeite ein paar Jahre so, wie kein anderer bereit ist zu arbeiten, um dein restliches Leben so zu leben, wie es kein anderer kann.

Diese Erkenntnis kann viel Kummer ersparen. Vielleicht verpasse ich gerade eine coole Party. Vielleicht verpasse ich gerade einen coolen Urlaub. Vielleicht verpasse ich gerade ein cooles Erlebnis. Ich würde aber auch genauso denken, dass ich mein Projekt „verpasse“, wenn ich statt daran zu arbeiten auf einer Party rumhänge. Öffne ich eine Tür, schließt sich immer auch irgendwo eine andere. Punkt. Das ist ein Fakt, der sich nicht aus der Welt reden lässt. Je früher du damit klarkommst, desto eher wirst du zufrieden dein Leben bestreiten können.

Sei nicht nur bereit das Ergebnis zu haben, sei auch bereit den Aufwand zu tragen

Interessant finde ich auch, dass Leute gerne irgendwelchen Zielen nachjagen, ohne den Aufwand dahinter zu kennen. Die Leute möchten die Millionen auf dem Konto haben. Millionär sein, hach – das wäre doch was Feines! Das Resultat ist so schön schillernd und glitzernd. Du kannst dich aber nicht einfach für ein Resultat entscheiden und es bekommen, ohne den Prozess dahinter auch zu durchleben. Die dahinterstehende Arbeit wird allzu gerne übersehen.

Auch diesen Aspekt versuche ich zu berücksichtigen. Wenn ich jemanden mit einem Champagnerglas auf einer Yacht sehe, ist es verlockend zu sagen „da wäre ich jetzt auch gerne“. Er hat allerdings sicher seinen Teil dazu beigetragen, um dort zu sein. Ein Aufwand steckt dahinter. Die wenigen Ausnahmen, bei denen kein Aufwand dahinter steckt, klammere ich hier bewusst aus. Ein Lottogewinner wird diesen Moment vielleicht auch genießen, aber nicht in dem Ausmaß wie jemand, der sich seinen Erfolg erarbeitet hat. Jedes Mal, wenn du dir also denkst „das hätte ich auch gerne“ oder „da wäre ich auch gerne“, frage dich genauso, ob du auch den Prozess dahinter gerne hättest.

“Who you are tomorrow begins with what you do today. - Tim Fargo

Die Antwort darauf ist entscheidend. Ich höre Leute so oft sagen, dass sie etwas auch gerne könnten. „Ich würde auch gerne Gitarre spielen können“. „Ich würde auch gerne 6 Sprachen sprechen können“. „Ich würde auch gerne so gut malen können.“ Schall und Rauch. Die Sache ist die: Sie würden gerne können, aber sie würden nicht gerne den notwendigen Weg gehen. Der Weg dahin ist nämlich fast immer klar. Jeder kann ihn gehen. Die Frage ist nur, ob du bereit bist, die Zeit zu investieren, ihn zu gehen.

In der heutigen Gesellschaft der sofortigen Belohnungen scheint das immer mehr vergessen zu werden. Alles muss sofort da sein. Auf etwas warten zu können, bewusst verzichten zu können, bewusst nein sagen zu können, bewusst die Arbeit dem Spaß vorzuziehen – nur um dann später umso mehr Spaß haben zu können – sind Fähigkeiten, die das Leben sehr bereichern können. Genau das sind auch die Fähigkeiten, die am Ende den Unterschied machen können zwischen einem zufriedenen Leben und einem Leben, in dem du immer nur dem nächsten vermeintlichen Vergnügen nachjagst  – das dich aber irgendwie nicht wirklich glücklich macht.

Written by Waldemar