Tick Tack – Zeit zu beginnen

Eiin kluger Mann hat mal gesagt, dass manche Menschen mit 25 sterben und dann nicht beerdigt werden, ehe sie 85 Jahre alt sind. So zynisch diese Aussage auf den ersten Blick auch erscheinen mag, so wahr ist sie doch im Kern. Blicken wir uns in der Welt um, so treffen wir diesen Umstand zuhauf an. Menschen jagen den typischen Idealen hinterher: Frau, Haus, Kind, guter Job. An diesen Idealen ist an sich nichts falsch. Nur ist eine erschreckende Tendenz unter den Leuten erkennbar, dass sie ihr persönliches Wachstum einstellen, sobald sie dieses Ideal einmal erreicht haben.

Viele von uns verlieren im Laufe ihres Lebens ihren Drive. Als Kinder sind wir neugierig, wir wollen Dinge erleben, wir wollen herausfinden, warum die Dinge so sind, wie sie sind. Viele schaffen es noch, diese Attitüde bis in ihre frühen Zwanziger – ihr Studentenleben – hin zu halten und verlieren sie dann doch wieder. Dieser Werdegang ist meiner Meinung nach auch nicht verwunderlich. Mit Eintritt ins Berufsleben fällt vielen von uns auf, dass uns der Erfolg nicht einfach in den Schoß fällt. All die Türen, die wir als offen geglaubt haben, sind tatsächlich gar nicht offen, sondern müssen erst von uns aufgestoßen werden. Die Ernüchterung über diese Erkenntnis kann groß sein. Es ist schwierig zu begreifen, dass die meisten von uns nicht ohne großen Aufwand zu auf Regenbögen galloppierenden Einhörnern werden. Da steckt Arbeit hinter. Wir sehen all diese Lifestyleblogs, Schnellmillionäre, Youtuber und Instagramsternchen  und denken, dass wir auch so sein sollten. Ist das denn so? Ich weiß es nicht, so viel Ehrlichkeit sollte sein.

Der Konjunktiv behindert unser Leben

Was ich weiß ist, dass wir uns die schiere Unendlichkeit an Möglichkeiten heute leicht den Kopf verdrehen lässt. Wir sehen all die Möglichkeiten und sind wie paralysiert. Wollen dies machen, das haben, dies erleben, jenes erreichen. Statt hier und jetzt zu leben, leben viele von uns im Konjunktiv. Hätte, wäre, könnte, würde. Irgendwann werde ich… Warum irgendwann? Weil uns heute die Umstände daran hindern? Komm schon, wo ein Wille ist, da ist auch immer ein Weg. Wer will, findet Wege, wer nicht will, findet Gründe. Das war schon immer so.

Es ist verdammt bequem in der eigenen Komfortzone. Doch sie hat auch ihre Tücken. Je länger wir uns in ihr aufhalten, desto kleiner wird sie. Sie ist wie ein Muskel. Trainieren wir sie, dann wird sie größer, lassen wir sie unbeaufsichtigt, dann wird sie kleiner. Diese eine Sache, deren Startzeitpunkt wir immer weiter in die Zukunft schieben, hat das Potenzial, unsere Komfortzone um große Teile zu vergrößern, wenn wir sie einfach jetzt angehen. Einmal den Prozess in Gang gesetzt, werden unglaubliche Energien losgelöst. Die Zeit zu beginnen liegt nicht in ferner Zukunft. Sie ist ganz genau hier und jetzt.

Stell dich dem Worst Case und sieh, wie harmlos er eigentlich ist

Vor einer Weile bin ich auf eine interessante Methode von Tim Ferris gestoßen, die sehr nützlich sein kann. Sie ist für all jene zu empfehlen, die gerne etwas angehen würden, sich aber nicht dazu überwinden können. Ich denke, dass sicher jeder ab und zu diese Fragen einmal stellen sollte, wenn er sich mit seiner Angst zu handeln konfrontiert sieht. Die sieben Punkte sind mehr oder weniger sinngemäß aus diesem Beitrag übersetzt.

  1. Definiere deinen Albtraum, das absolut Schlimmste, was passieren kann, wenn du tätest, worüber du nachdenkst. Welche Zweifel, Ängste, Was-Wenns erscheinen, wenn du über die großen Veränderungen nachdenkst, die du in Angriff nehmen könntest oder solltest. Stell sie dir in größter Detailtreue vor. Wäre es das Ende deines Lebens. Was wäre die permanente Auswirkung auf einer Skala von 1-10? Sind diese Sachen wirklich permanent? Was denkst du, wie wahrscheinlich es ist, dass sie tatsächlich eintreffen?
  2. Welche Schritte könntest du unternehmen, um den entstandenen Schaden zu reparieren, selbst wenn es nur temporär wäre? Die Chancen stehen gut, dass es leichter wäre, als du es dir ausmalst. Wie könntest du Dinge wieder unter Kontrolle bringen?
  3. Was wären die positiven Auswirkungen oder Resultate, sowohl temporär als auch permanent, von wahrscheinlicheren Szenarien? Wo wir jetzt die Albträume definiert haben, was wären die wahrscheinlicheren oder positiveren Auswirkungen, sei es auf dein Inneres bezogen (dein Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen) oder extern? Wie stark wäre die Auswirkung auf einer Skala von 1-10? Wie wahrscheinlich ist es, dass die Resultate zumindest moderat gut wären? Haben schon weniger intelligente Menschen das gleiche in Angriff genommen und es geschafft?
  4. Wenn dir heute bei deiner Arbeit gekündigt würde, was würdest du tun, um wieder finanziellen Boden unter die Füße zu bekommen? Stell dir dieses Szenario vor und durchlaufe die Fragen 1-3. Wenn du deinen Job kündigten würdest, um andere Optionen zu testen, wie könntest du später wieder zum gleichen Karrierepfad zurückkehren, wenn du absolut müsstest?
  5. Was schiebst du wegen deiner Angst auf? Gewöhnlich ist das, was wir am meisten aufschieben, das, was wir am ehesten tun sollte. Dieser eine Anruf, dieses eine Gespräch, was auch immer die erforderliche Aktion sein mag – es ist die Angst vor dem Ungewissen, die uns davon abhält, das zu tun, was wir tun sollten. Definiere deinen Worst Case, akzeptiere ihn, und dann tu es. Ich möchte etwas wiederholen, dass du dir vielleicht auf deine Stirn tätowieren solltest. Wovor wir uns am meisten fürchten ist normalerweise das, was wir am meisten tun sollten. Jemand hat mal gesagt: Der Erfolg einer Person kann normalerweise an der Anzahl an unangenehmen Gesprächen gemessen werden, die diese Person bereit ist zu führen. Nimm dir selbst vor, jeden Tag eine Sache zu tun, vor der du dich fürchtest.
  6. Was kostet es dich – finanziell, emotional, physisch – deine Taten aufzuschieben? Evaluier nicht nur die potenziellen negativen Folgen deiner Tätigkeiten. Die grauenhaften Kosten der Untätigkeit zu messen ist ebenso wichtig. Wenn du nicht den Dingen nachgehst, die dich begeistern, wo wirst du dann in einem Jahr, in fünf Jahren, in zehn Jahre sein? Wie wird es sich für dich anfühlen, wenn du den Umständen erlaubt hast, sich dir aufzudrängen und 10 weitere Jahre hast vorbeiziehen lassen, um das zu tun, was dich nicht erfüllt? Wenn wir 10 Jahre in die Zukunft sehen und ganz genau wissen, dass unser aktueller Weg ein Weg des Bedauerns und der Enttäuschung ist, und wir definieren Risiko als die Wahrscheinlichkeit einer irreversiblen Negativfolge, dann ist Nichthandeln das größte aller Risiken.
  7. Worauf wartest du? Du hast Angst genau wie alle anderen auch. Miss die Kosten des Nichthandelns. Mach dir klar, dass Fehlversuche unwahrscheinlich sind und wenn sie doch passieren, reparabel sind. Entwickle für dich selbst die Angewohnheit, die die Besten vom Rest unterscheidet: Ergreif die Initiative und beginne Spaß daran zu empfinden.

Martin Luther King hat mal sinngemäß gesagt: Wenn du nicht fliegen kannst, dann lauf. Kannst du nicht laufen, dann geh. Sollte selbst das nicht gehen, dann kriech. Egal was passiert, bleib in Bewegung. Vielleicht tätowiere ich mir das mal irgendwann auf die Stirn.

Also, stellst du dich deinem Albtraum? 😉

Written by Waldemar