Die erste Entscheidung des Tages versetzt Berge

Scheiße, wo kommt dieses Geräusch her. Gerade war ich doch noch… Poaaah, echt jetzt, schon 06:00? Ausschweifende Armbewegung nach links. Klick. Den Button für den Snooze-Modus finde ich auch im Halbschlaf. Komplexe Rechenoperationen werden in Gang gesetzt. „Ok. Es ist 6 Uhr. Um 8 wollte ich los zur Arbeit. Davor habe ich mir vorgenommen, zu schreiben und Sport zu treiben. Eigentlich ist da aber ein Puffer mit einberechnet, also kann ich auch bis 06:38 schlafen und dann immer noch alles schaffen. Wird dann ein bisschen hektisch, sollte aber passen! Oder ich lasse das Frühstück weg, dann kann ich auch bis 06:52 schlafen. Ich kann auch alles weglassen und bis kurz vor 8 schlafen…“

Kommt dir das irgendwie bekannt vor? So lief bei mir eine lange Zeit lang mein Morgen ab. Endlose Diskussionen in meinem Kopf mit mir selbst, wie ich nun mit der Tatsache verfahre, dass mein Wecker soeben geklingelt hat. So startete ich lange Zeit lang in den Tag. Unentschlossen und im Kampf mit meinen eigenen Gedanken. Eines Tages ist dann der Groschen bei mir gefallen. Mir wurde bewusst, was ich da eigentlich tue und was das für Auswirkungen auf meinen Tagesverlauf hat.

Snoozt du noch oder lebst du schon?

Viele von uns misshandeln die Snooze-Funktion ihres Weckers auf jede nur erdenkliche Art. Nur noch 4 Minuten…und weitere 4 Minuten…und – ach, 4 Minuten gehen noch. Nur, um dann hektisch in den Tag zu starten. Was genau passiert aber in dem Moment, in dem wir uns entscheiden, den Zeitpunkt des Aufstehens weiterzuschieben? Wir verarschen uns selbst. Unseren Wecker haben wir schließlich nicht ohne Grund gesetzt. Wir hatten etwas Bestimmtes im Sinn, als wir den Weckzeitpunkt festgelegt haben. Wir treffen eine Abmachung mit uns selbst: „Ok, morgen stehe ich um 6 auf“. Wenn wir nun am nächsten Tag auf den Snooze-Button drücken – wieder und wieder – brechen wir die Abmachung mit uns selbst.

Wir entscheiden uns dazu, als erste Aktivität des Tages eine Vereinbarung zu brechen, die wir mit uns selbst getroffen haben. Klingt ziemlich heftig, wenn du das so formuliert liest, hm? Meiner Meinung nach ist es allerdings genauso. Wenn wir uns so früh am Tag schon dazu entscheiden, uns nicht an das zu halten, was wir uns selbst vorgenommen haben, dann sind wir über den Tag verteilt auch viel eher dazu bereit, unsere Vorsätze zu ignorieren. All die guten Dinge, die wir vollbringen könnten – einfach so sabotiert, weil irgendein Otto einmal der Meinung war, ein Snooze-Button wäre mal eine geile Idee.

Raus aus den Federn, rein ins Leben

Mir ist bewusst, dass ein Teil in dir jetzt rebellieren wird, wenn du zu den Snoozedrückern zählst. Dein gutes Recht. Kognitive Dissonanzen mag keiner von uns. Ich möchte an dieser Stelle auch gar nicht behaupten, dass ich immer mit allem richtig liege, denn das entspräche weiß Gott nicht der Wahrheit. Vielmehr möchte ich zum Selbsttest animieren. Lasst uns aufhören, den Snooze-Button zu benutzen. Sind wir mal ehrlich. Nach dem dritten Drücken bist du auch nicht wacher als nach dem dritten Drücken. Steht einfach direkt auf. Ja, am Anfang kann sich das anfühlen, als würde dir jemand mit Anlauf ins Gesicht treten. Das wird mit Tag zu Tag besser. Und irgendwann fühlt es sich dann nur noch an, als würde eine schmusige Schmusekatze mit ihren weichen Schmuzekatzenpfoten dir sanft über dein Gesicht streichen, um dich liebevoll zu wecken. Ja okay, vielleicht nicht so, aber so ähnlich!

Lass dich von den Ergebnissen überraschen. Wer schon frühmorgens auf seine eigenen Vorsätze hört, dem fällt es auch über den Tag hin leichter. Derjenige wird auch nicht so durch den Morgen hetzen, weil er wieder zu oft auf den Snooze-Button gedrückt hat. Stattdessen startet er mit einer gehörigen Portion Zeit und Entspannung in den Tag.

Bist du bereit für diesen gewagten Schritt?

Written by Waldemar