Bronnie Ware – 5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen

Vor ein paar Tagen bin ich beim Durchstöbern meiner Bücher auf dieses Schmuckstück gestoßen, welches ich vor ein paar Monaten gelesen habe. Da ich es damals unheimlich interessant fand, dachte ich mir, dass ich es hier mit euch teilen sollte. Das Buch hat meinen Horizont erweitert. Ich denke, dass wir alle ein klein wenig aus den Geschichten lernen können.

In dem Buch geht es um den Lebensweg der Autorin Bronnie Ware. Sie arbeitet jahrelang in einer Bank. Dabei spürt sie immer wieder tief in ihr, dass es nicht wirklich das ist, was sie tun will. Eines Tages – sie ist mittlerweile Ende 20 – fasst sie den Entschluss, dass es so nicht weitergehen kann. Sie kündigt ihren Job. Einen Teil ihres Hab und Guts verkauft sie oder verschenkt es an Freunde, um dann durch die Welt zu ziehen.

Irgendwann beginnt Bonnie, als Palliativpflegerin zu arbeiten. Dabei begleitet sie viele Menschen in den letzten Stunden, Tagen, Wochen und Monate ihres Lebens. Die Erkenntnisse, welche diese sterbenden Menschen in ihren letzten Stunden haben, hat Bonnie gesammelt und die fünf häufigsten mit Geschichten und Erzählungen zusammengefasst. Einige der Geschichten sind unheimlich herzerwärmend.

„Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben“

Die Geschichte von Grace ist herzzerreißend. Sie hat früh das getan, was von ihr erwartet wurde: geheiratet, Kinder gekriegt und ihr Leben ihrem Mann und ihren Kindern gewidmet. Leicht hatte sie es dabei nicht, denn ihr Mann hat sie ständig tyrannisiert. Als ihr Mann in ein Pflegeheim eingewiesen wird, sieht Grace Licht am Ende des Tunnels. Sie kann nun endlich all die Dinge tun, die ihr in den letzten Jahren und Jahrzehnten verwehrt geblieben sind…denkt sie zumindest. Kurze Zeit darauf wird sie todkrank und bettlägerig. All die Dinge, die sie Zeit ihres Lebens machen wollte und doch nicht getan hat, weil sie gemäß den Erwartungen anderer Menschen gelebt hat…

„Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet“

Sein Leben lang hat John fleißig gearbeitet, um gutes Geld nach Hause zu bringen. Er war alt und seine Frau Margaret bat ihn wiederholt, endlich in Rente zu gehen, um Zeit mit ihm verbringen zu können, Geld hatten sie ohnehin genug. Er war noch nicht bereit dafür und wollte es nicht. Irgendwann ließ er sich schließlich endlich dazu breitschlagen, in Rente zu gehen. Leider kam diese Entscheidung zu spät. Margaret wird krank und stirbt. Kaum etwas wird so häufig von Männern bereut wie zu viel gearbeitet zu haben – insbesondere, wenn ohnehin Geld im Überfluss vorhanden ist.

„Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken“

Jozsef ist ein Überlebender des Holocaust. Von der schweren Zeit gezeichnet, hat er es in seinem Leben nie mehr wirklich geschafft, sich seinen Mitmenschen emotional zu öffnen. Seine eigene Familie kannte ihn nicht, weil er sich emotional zurückzog und nur noch auf einer informativen, nicht jedoch einer emotionalen Ebene mit den Menschen kommunizierte. Er bereut, dass ihn seine Familie niemals wirklich gekannt hat.

„Ich wünschte mir, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden aufrechterhalten“

Über die Jahre können wir einander aus den Augen verlieren. Mitunter kann es Arbeit und Aufwand bedeuten, den Kontakt zu seinen Freunden aufrechtzuerhalten. Nichts ist jedoch so schmerzlich, wie in seinen letzten Stunden zu erkennen, dass keine Freunde mehr da sind, die sich wirklich für einen interessieren könnten. Viel zu oft räumen wir diesen Freundschaften nicht den Stellenwert in unserem Leben ein, den sie verdient hätten. Lasst uns klüger sein. Lasst uns den Menschen, die uns wichtig sind, zeigen, wie wichtig sie uns sind.

„Ich wünschte, ich hätte mir erlaubt, glücklicher zu sein“

Wenn sie doch nur früher erkannt hätte, dass sie die freie Wahl hat. Kein Mensch ist gezwungen, auf alle Zeit hin unglücklich zu sein. Glücklich zu sein ist eine freie Entscheidung. Wir haben es verdient, glücklich zu sein. Diese Erkenntnisse kamen für Rosemary leider erst sehr spät in ihrem Leben. Sie hatte ihr Leben ihrer Arbeit verschrieben, wodurch sie es zu einer sehr hochgestellten Managerin in ihrem Unternehmen gebracht hat. Leider ging all das auf Kosten ihrer Ehe und ihrer Lebensfreude. Verblieben ist eine verbitterte Frau, die erst in ihren letzten Stunden erkennt, dass sie sich bewusst für das Glücklichsein entscheiden kann.

Denke immer daran: die Entscheidungen, die du triffst, entscheiden dein Leben. – John Wooden

Bonnie beschreibt in ihrem Buch nicht nur ihre Zeit als Palliativpflegerin, sondern erzählt auch, wie sie beispielsweise Insassen eines Gefängnisses das Schreiben von Songtexten beibrachte. Ihr Lebensweg ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass das Leben nicht immer geradlinig verläuft. Manchmal manövrieren wir uns in unserem Leben in eine Sackgasse. In diesen Momenten ist es wichtig, sich vor Augen zu führen, dass wir nicht immer weiter in diese Sackgasse hinein gehen müssen. Kurzfristig ist das der Weg des geringsten Widerstandes – klar, aber langfristig rauben wir uns damit nur die Lebensenergie.

Es kommen Zeiten, da merken wir: „Alles klar, hier geht es irgendwie nicht mehr weiter. Ich habe mich hier in die Scheiße manövriert.“ Passiert jedem. Wichtig ist hier, dass wir bereit sind, dieses Kapitel abzuschließen und ein neues zu starten. Zu spät gibt es nicht. Wir werden uns mit der Zeit sonst nur aufreiben und ausbrennen. Ein aerodynamischer Lebenslauf sieht total toll aus und uns wird gerne suggeriert, dass die perfekte Karriere zu haben das non plus ultra ist. Schauen wir uns mal an, wie viele Leute mit schickem Lebenslauf geradewegs auf den Burnout zusteuern, dann sollte uns eins klar sein: Geld ist ganz nett und so, aber es ist nicht die eine Sache, die für unsere Glückseligkeit das entscheidende Kriterium ist.

Das zeigen auch Bonnies Geschichten. Ihrer Intuition zu folgen ist genau das, was sie in ihrem Leben letztendlich glücklich gemacht hat.

Abschließen möchte ich das Ganze mit einem meiner Lieblingszitate beenden:

Glück ist keine Haltestation, an der man aussteigt, sondern die Art und Weise, wie man reist. - Margaret Lee Runbeck

 

Written by Waldemar