Die Tücken der eigenen Perspektive

Kennst du das Gefühl, wenn du…

  • von Menschen Kritik bekommst, die du nicht nachvollziehen kannst?
  • jemanden kritisierst, nur um dann festzustellen, dass der Kritisierte kein Verständnis dafür hat?
  • für etwas verantwortlich gemacht wirst, bei dem dich eigentlich keine Schuld trifft?
  • jemanden kritisiert und später festgestellt hast, dass du eigentlich im Unrecht warst?
  • unter Schnappatmung nach Argumenten suchst, warum du so und so gehandelt hast oder das und das getan hast?
  • dich nach einer deiner Meinung nach gerechtfertigten Kritik in einer Diskussion wiederfindest, die sinnloser kaum sein könnte?

Dann geht es dir so wie mir. 

Irgendwie scheint der Mensch nicht dafür gemacht zu sein, kritisiert zu werden. In uns ist einprogrammiert, auf Kritik mit Selbstverteidigung oder Gegenangriff zu reagieren. Pisst uns einer ans Bein, dann versuchen wir postwendend zurückzupissen. Dass das in einer Sauerei endet, muss ich dir nicht vormalen. Wer meine Malkünste kennst, der weiß, dass ich es auch ohnehin nicht könnte.

Zurückpissen war noch nie die Lösung für deine Probleme. Wer pisst, der pisst sich auch immer selbst an.

Aus irgendeinem Grund haben wir das in uns drin, Schuldzuweisungen und Kritik austeilen zu wollen. Wir brauchen einen Verantwortlichen. Das ist nur selten zielführend. Warum also nicht einen anderen Weg gehen und Verständnis aufbringen, indem wir das tun, was der Mensch gemeinhin viel zu selten tut.

Gehen wir doch hin und wieder einen Schritt zurück und wechseln die Perspektive.

Urteile nicht über jemanden, in dessen Schuhe du nicht einen Tag gelaufen bist. Wenn wir einen Moment lang unsere eigene Perspektive verlassen, dann erschließen sich uns neue Möglichkeiten. Versuche dich einmal bewusst in deinen Gegenüber einzudenken und zu verstehen, warum er handelt, wie er handelt.

  • Welche Details und Hintergründe sind dir bekannt?
  • Gibt es vielleicht etwas, dass du noch nicht weißt?
  • Vielleicht kann er dir ja dabei helfen, dass du seinen Standpunkt besser verstehst?

Wäre es nicht besser, Dinge, die wir nicht wissen, zu erfragen, statt mit einer vorgefertigten Meinung in den Angriff überzugehen?

Am Ende sitzen wir doch alle im gleichen Boot.

Keiner hat Lust darauf, dass man sich gegenseitig den Kopf einschlägt. Damit ist auch keinem geholfen. Lasst uns den anderen die Hand reichen und ihnen zeigen, dass wir Verständnis für sie haben. Wer gibt, der wird erkennen, dass ihm auch häufig gegeben wird. Genau das gleiche Prinzip gilt auch hier. Gib dir Mühe dabei, die Beweggründe des Gegenübers zu verstehen. Du wirst dich dann erkennen, dass die Menschen auch bestrebt sind, deine Beweggründe zu verstehen.

Gebt und euch wird gegeben. Versteht und ihr werdet verstanden.

Written by Waldemar