Du oder dein Handy – Wer hat die Hosen an?

Gedankenwirrwarr. Es wird erst dann offensichtlich, wenn um einen herum nichts passiert. Stille herrscht. Die Gedanken in deinem Kopf kreisen. Zu viel Input, den du deinem Gehirn tagtäglich zu Gemüte führst. Dein Gehirn will stark sein, aber unter der Last kann es nur zu Boden sinken. Sei cleverer. Lass ihm Raum zum Atmen.Lass den Fernseher außer zu besonderen Momenten aus, du brauchst ihn nicht.

Verzichte auf die Panikmache, auf die permanente Berieselung und Zerstreuung durch Medien, die dich weder bereichern noch wirklich erheitern. Wenn du mal einen guten Film sehen willst, dann tu das. Tu das aber bewusst und nicht „zufällig“. Überlege dir genau, was du sehen willst, triff die Vorkehrungen und guck es dir dann an. Zappen ist tabu. Es benebelt dein Gehirn und zieht dich in seinen Sog, bis du irgendwann kaum mehr als ein medienhungriger Neuzeitzombie bist. Und wer mag schon Zombies…

Wer hat hier tatsächlich die Kontrolle?

Leg dein Handy weg. Sei ehrlich zu dir selbst: Wie oft brauchst du es wirklich? Ein Großteil der jüngeren Generation schaut alleine aus Reflex auf ihr Handy. Wenn du sie fragst, was sie gerade nachgesehen haben, können sie dir häufig nicht einmal sagen, was sie gerade getan haben. Sie können dir nicht mal die Uhrzeit sagen, obwohl sie gerade ihr Handy in der Hand hielten. Wozu das alles? Ist es wirklich notwendig, im Minuten- oder Stundentakt auf das Handy zu sehen? Ich glaube nicht. Wenn ich mir die Funktionen des Handys ansehe, dann sind folgende Dinge notwendig:

  1. Die Möglichkeit des Telefonierens – selbstredend der größte Vorteil. Einer der wenigen Dinge, die ein Handy für mich gewinnbringend machen.
  2. Die Möglichkeit, Nachrichten zu versenden und zu erhalten – ein nettes Plus, das von der Wichtigkeit aber vernachlässigbar ist. Hin und wieder kann ich natürlich mal eine nette Nachricht verschicken, keine Frage. Für wichtige Informationen kann und sollte ich aber eher telefonieren. Das rechtfertigt also nicht die Tatsache, im Minuten- oder Stundentakt auf das Handy zu blicken.
  3. Navigation – gerade in fremden Gegenden eine Schlüsselfunktion.
  4. Internet – in einigen Situationen sehr nützlich. Rechtfertigt aber auch nicht die Tatsache, im Minuten- oder Stundentakt auf das Handy zu blicken.
  5. Uhrzeit – selbstredend.
Beginne jeden Tag, als wäre es Absicht. Spüre jeden Moment, als sei er deine Geliebte. Behandle jeden Augenblick als das, was er ist - unwiederbringlich und einzigartig.

Steck deine Neuzeitknarre wieder ein, Sheriff.

Das sind die Schlüsselfunktionen, für die die Menschen gemeinhin ihr Handy benutzen. Wenn ich nicht gerade mit dem Handy navigieren, die Uhrzeit checken, ein wichtiges Telefonat führen oder eine wichtige Information im Internet recherchieren muss, dann gibt es keine Notwendigkeit, mein Handy in der Hand zu haben. Und doch laufen so viele Menschen permanent mit gezückten Handys in der Gegend rum. Es ist faszinierend zu sehen, wie reflexartig das Handy gezogen wird – fast so wie in alten Western den Revolver aus dem Gürtel – unsere Neuzeitknarre gewissermaßen. Pure Gewohnheit und Zerstreuung. Wir sind nicht einmal in der Lage, für kurze Zeitspannen ohne Zerstreuung klarzukommen. Immer brauchen wir Beschäftigung. Das wäre ja noch in Ordnung, wenn es sinnvolle Beschäftigung ist. Sind wir aber mal realistisch, dann beschäftigt sich kaum einer sinnvoll mit seinem Handy. Mittlerweile ist es nicht ungewöhnlich, dass junge Menschen mehrere Stunden am Tag mit ihrem Handy beschäftigt sind. Eine erstaunliche und beunruhigende Entwicklung, wenn ich mir vor Augen führe, wie viel mentale Ressourcen ein Handy auf sich zieht. Kombiniert man es mit der Tatsache, dass Menschen mehrere Stunden am Tag fernsehen, dass ist das ein gerade explosives Gemisch, das zusammengebraut wird.

Das Gleiche gilt für die Leute, die viel Zeit am Rechner verbringen. Wenn du am Rechner sitzt, dann tu das, was du tun wolltest und nur das. Willst du etwas recherchieren, dann recherchiere und lies dir nicht parallel auf 27 News-Seiten die neuste Information über Kim Kardashians Arsch durch. Wenn du arbeiten willst, dann arbeite und lass die Augen von deinem Instagram-Schwarm, der ein neues Oben-Ohne-Foto hochgeladen hat. Lerne wieder dich zu fokussieren. Tu nur das, was du gerade tun willst. Kein beschissenes Multi-Tasking mehr für dich, das erwiesenermaßen deine Leistungen schlechter werden lässt. Wenn du nur das tust, was du auch tun willst, dann wirst du mit dieser Tätigkeit wesentlich schneller fertig. Später kannst du dann gerne deine heiße Nachbarin auf Facebook stalken, aber dann tust du es mit dem Wissen, dass du das, was du eigentlich tun wolltest, schon erledigt hast. Du hast dir die Zerstreuung verdient. Und verdiente Zerstreuung empfinden wir als wesentlich angenehmer.

Aber, aber, aber

Und wie das gerne mal bei meinen Texten ist…nur weil ich von „du“ spreche, bist nicht zwangsweise du als Leser gemeint. Hin und wieder richte ich auch Texte an mich selbst. Also kein Grund in Schnappatmung zu verfallen und dich zwangsweise angesprochen zu fühlen…oder vielleicht doch? 😉

Written by Waldemar