Warum Regen etwas Wundervolles ist

Die Schönheit des Regens. Pitsch Patsch. Dein Blick wandert zum Fenster. Pitsch Patsch. Du atmest ein und nimmst die Energie des Regens in dich auf. Der Regen nimmt an Stärke zu. Nach und nach fängt es an, wie aus einem Gewehr auf deine Fensterscheibe zu prasseln. Du beobachtest die Wasserspuren, die die Tropfen auf deiner Fensterscheibe hinterlassen.

In deinem Kopf beginnst du dir auszumalen, wie diese Regentropfen an einer Regentropfensprintweltmeisterschaft teilnehmen und setzt innerlich 5 Euro auf den Tropfen ganz links, sein Name ist Gunther. Auf Gunther war schon immer Verlass. Zum ersten Mal an diesem Tag siehst du aus dem Fenster und beobachtest mit neugierigem Blick dieses Naturspektakel.

Er beruhigt dich, erinnert dich an den Ursprung allen Lebens – Wasser, ohne das wir kaum mehr wären als eine unlebendige, merkwürdige Masse. Irgendwo auf der Welt genießen gerade Menschen diesen Regen, auf den sie schon seit einer Ewigkeit gewartet haben. Irgendwo auf dieser Welt bedeutet dieser Regen Tod. Irgendwo auf dieser Welt bedeutet dieser Regen Leben. Was die einen in eine Überflutungskatastrophe führen kann, kann die anderen aus einer Dürre herausführen. Eine verrückte Welt.

Der Regen selbst ist neutral. Ist er schwach, so dient er uns als Erfrischung. Gibt es zu viel von ihm, dann kann er Dinge zerstören. Bleibt er eine Zeit aus, dann stehen wir vor einem Problem.

Es ist alles eine Sache der Perspektive

Ich liebe den Regen. Er erinnert mich daran, dass alles auf der Welt eine Sache der Perspektive ist. Betrachtest du ihn als etwas Schlechtes, dann wirst du nur die schlechten Dinge über ihn bemerken. Betrachtest du ihn als etwas Wunderbares, dann fallen dir all die schönen Dinge auf, die er zu bringen vermag. Der Regen zeigt uns, wie sauber unser Geist ist. Ich mag hier die Metapher des Glases als Verstand. Ist es mit Wasser, also mit sauberen, reinen Gedanken, gefüllt, dann können wir die Welt unverfälscht und so wie sie ist, ansehen. Ist das Glas dagegen mit schmutzigem Wasser, also unschönen, dreckigen Gedanken gefüllt, dann sehen wir die Welt eben auch nur durch diesen Schleier des Drecks. Um die Welt wieder in ihrer wahren Form sehen zu können, ist es notwendig, das Glas nach und nach mit sauberem Wasser zu füllen, um die unreinen Gedanken, den Schmutz, auszuspülen. Aber Schmutz ist hartnäckig und gehässig. Er verabscheut alles, was er nicht kennt und was nicht so ist wie er. Deswegen meidet er die reinen Gedanken wie der Teufel das Weihwasser.

Mit dem Regen verhält es sich beim Menschen so wie mit dem reinen Wasser. Je reiner unser Geist, desto eher können wir den Regen genießen, ihn in seiner Einzigartigkeit wahrnehmen und als etwas Wunderschönes sehen. Ist unser Geist allerdings unrein, dann verabscheuen wir den Regen, weil er so befremdlich und sauber ist. Dann stehen wir an der Bushaltestelle und es fängt an zu regnen. Wir latschen klatschnass ins Büro und beschweren uns darüber, dass uns der Regen nass gemacht hat. Der Regen ist aber nicht derjenige, der seinen Regenschirm vergessen hat. Seine einzige Aufgabe ist es zu geben. Was du aus seiner Gabe machst, liegt bei dir.

Was machst du mit dem Geschenk?

Nimm dir hin und wieder Zeit, um die Schönheit der Natur zu besehen. Setz dich auf die Fensterbank, öffne das Fenster und schau dir dieses einzigartige Phänomen an. Atme die Kraft jedes einzelnen Tropfens in dich ein. Lasse zu, dass sie ihre reinigende Wirkung in dir entfalten. Nimm sie als einen Teil von dir auf. Hör auf zu lamentieren, wenn es regnet. So lange wie es regnet, geht die Welt nicht unter. So lange wie es regnet, können wir mit Nahrung versorgt werden. So lange wie es regnet, sind wir mit Trinkwasser versorgt. Lerne den Regen mit einem Lächeln zu empfangen.

Written by Waldemar