Wie integer bist du?

Integrität bedeutet, sich im Einklang mit seinen eigenen Werten und Prinzipien zu verhalten. Wie wichtig ist das eigentlich? Wer integer handelt, der läuft glücklicher und zufriedener durch das Leben denke ich. Viele Menschen unterschätzen diesen Aspekt, mich miteingeschlossen. Jeder – ich wiederhole – jeder Mensch handelt von Zeit zu Zeit nicht integer. Da führt kein Weg dran vorbei. Wir Menschen sind so gestrickt, dass wir manchmal den kurzfristigen Profit dem langfristigen Profit vorziehen, auch wenn der kurzfristige Profit viel geringer ausfällt und wir das wissen.

Du findest ein Portemonnaie auf dem Boden. Im ersten Moment willst du es zurückgeben, denn du weißt, dass sich der Portemonnaie-Besitzer sehr darüber freuen würde. Außerdem ist das nicht dein Portemonnaie, womit es nicht rechtens wäre, es zu behalten. Du öffnest das Portemonnaie. 10 Euro sind darin enthalten. Du zuckst kurz mit den Achseln und bringst es zur Polizei, denn du bist nicht auf das Geld angewiesen und die Geldmenge erscheint dir nicht sonderlich reizvoll.

Gleiches Szenario, aber dieses Mal sind es 500 Euro, die du im Portemonnaie findest. Du weißt genau, dass du dir damit den Urlaub gönnen könntest, den du dir schon so lange herbeisehnst. Du haderst mit dir selbst. Überwiegt der kurzfristige Profit jetzt den langfristigen Profit? Bist du bereit, deine persönliche Integrität zu opfern, um kurzfristig mehr Geld zur Verfügung zu haben, das dir eigentlich gar nicht zusteht? „Sieht ja keiner außer mir…“ Ja. Wenn es jemand sähe, würdest du es lassen. Vor einer anderen Person willst du dein Gesicht nicht verlieren, aber wenn du vor dir selbst das Gesicht verlierst, ist das in Ordnung? Damit schreibst du de facto jeder anderen Person mehr Wert zu als dir selbst. Frag dich selbst, ob das eine fruchtbare Grundlage ist, auf der du dein Leben aufbauen willst.

Wenn man solche Gedankenspielchen liest, mag man vielleicht noch sagen „Ach was, ich würde das Portemonnaie trotzdem zur Polizei bringen“. Ja, würdest du? Vielleicht würdest du das tatsächlich und damit würdest du einem sehr geringen Prozentsatz der Bevölkerung angehören. Tatsache ist aber, dass man, so lange man so ein Gedankenspiel tatsächlich nur spielt und es nicht real ist, sich selbst als viel integrer einschätzt, als man tatsächlich in der Situation handeln würde. In der Situation selbst wären wir viel mehr emotional mitgerissen und es würde uns viel schwerer fallen, integer zu handeln.

Wenn wir uns langfristig wohlfühlen wollen, so müssen wir manchmal den kurzfristigen Gewinn außer Acht lassen und den langfristigen Gewinn ins Visier nehmen. Ein Großteil unserer Lügen ist der Tatsache geschuldet, dass wir besser erscheinen wollen, als wir tatsächlich sind. Das verbaut uns aber in großem Ausmaß die Möglichkeit, besser zu werden. Denn wenn wir immer eine Maske tragen und vorgeben, jemand zu sein, der wir nicht sind, so verleugnen wir unsere eigene Persönlichkeit. So verbauen wir unserer eigenen Persönlichkeit die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln, den Widrigkeiten zu trotzen und über uns selbst hinauszuwachsen. Es hilft, sich vor Entscheidungen die folgende Frage zu stellen:

Wird es mich auf lange Sicht glücklicher machen?

Das kann verdammt schwer sein, oh ja. So manches Mal wirst du dir in deine Faust decken und denken „fuck“. Gerade, wenn wir im default mode eher hedonistisch veranlagt sind, kann uns das anfangs schwerfallen. Wir gehen lieber den Weg des geringeren Widerstandes – zumindest die meisten von uns. Aber wenn wir einmal wirklich einfach zu dem stehen, was wir sind, dann werden wir merken, dass sich die Leute, denen wir begegnen, in zwei Lager aufteilen. Das eine Lager besteht aus Leuten, die uns nicht leiden können, und das andere aus Leuten, die uns verdammt gut leiden können. Die Menge an indifferenten Menschen schwindet. Wir polarisieren und dadurch müssen die Menschen eine Position beziehen. Dadurch haben wir die Möglichkeit, die Menschen in unserem Leben zu behalten, die tatsächlich zu uns passen, und die Menschen „auszusortieren“, die nicht zu uns passen.

Written by Waldemar